LTF Marpingen Triathlon

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22.09.2019: Ironman 70.3 Slowenien





Saisonabschluss mit weitreichenden Folgen

Im Laufe des Sommers entwickelte sich irgendwann die Idee, dass man die aufgrund der Teilnahme am RTV-Ligabetrieb doch immer irgendwie gleich verlaufende Wettkampfsaison noch mit einem schönen Rennen abrunden könnte. Motivation war noch jede Menge vorhanden, Form auch; lediglich an der Laufperformance musste noch geschraubt werden. Eine anspruchsvolle und zugleich landschaftlich reizvolle Mitteldistanz in einer Gegend mit angenehmen Klima sollte es sein. Ins Auge gefasst wurde der zeitgleich mit dem dortigen Ironman stattfindende Halb-Ironman in Cervia/Italien. Leider war die Starterliste bei den Freunden von Gelati, Ramazotti und Ferrari nach langem Hin- und Herüberlegen etwas zu früh voll. Nach anfänglicher Enttäuschung wurde rasch Plan B ins Auge gefasst. Zufälligerweise gab es am gleichen Wochenende (22.09.) ein weiteres IM 70.3-Rennen (mit 40 Quali-Plätzen für die WM 2020) auf der anderen Seite der Adria, und zwar in Slowenien, einem sehr empfehlenswerten Urlaubsland, mit dem Sportinteressierte eher Biathlon (Pokljuka) oder Alpinski (https://de.wikipedia.org/wiki/Tina_Maze) verbinden als Triathlon. So wurde in der Nähe der Wettkampfstätten in Koper kurzerhand ein kleines Ferienhaus mit romantischem Blick auf die Bucht gemietet, das nicht nur Karsten und Yvette für fünf Tage als Domizil dienen sollte, sondern auch für Freund und Trainingspartner Pit nebst seiner Gefährtin (die Dame, die gerne mal sein Auto fährt) Gabriella.

Die wenigsten wissen, dass das kleine Land, das früher zur K & K-Monarchie gehörte, im Norden nicht nur die östlichen Ausläufer der Alpen beherbergt, sondern auch einen geostrategisch wichtigen Zugang zum Mittelmeer besitzt, ohne den die Verschiffung von teuren sternverzierten CO2-Schleudern in alle Welt kaum möglich wäre, wenn auch mit etwas weniger Küstenkilometern (47 um genau zu sein) als Italien oder Kroatien. Die Slowenen sind im Großen und Ganzen als friedliebendes Volk bekannt. Schon Friedrich Schiller berichtet in seinem Wallenstein (für literarisch Unbeleckte: Da geht‘s um den 30jährigen Krieg.) nämlich eben nicht von der slowenischen, sondern von der „Kroatischen Reiterei“, in der außer Kroaten auch Serben, Walachen, Ungarn, Polen, Kosaken, Usoken sowie Tataren und Türken dienten. Heute ist man froh, den Kriegshandlungen in Jugoslawien bereits nach 10 Tagen entkommen und stolz, ein selbständiges EU-Mitglied zu sein.

Das Land und ganz besonders auch Hafenstadt Koper präsentieren sich weltoffen und als idealer Austragungsort zur Durchführung einer tollen Triathlon-Veranstaltung. Ohne große Wege sind Startnummernausgabe, Wechselzone(n) und eine kleine Sport-Messe erreichbar. Auf die Nudelparty, die leider 10 km außerhalb ablief, wurde verzichtet. Pasta und Soße kochen kann man auch in Eigenregie, vor allem wenn man eine Mitfahrerin mit italienischen Wurzeln dabei hat, die bereits als 3jährige in der elterlichen Pizzeria aushelfen durfte.

Eine Schwimmstrecke im Meer ist doch irgendwie näher am Ursprung der Sportart als Bahnen zählen im Hallenbad. Beim freitäglichen Testschwimmen (pünktlich um 18.00 h) machte das Wasser einen sehr sauberen Eindruck. Der natürliche Salzanteil ist im Vergleich zur Ostsee sehr hoch; was den Auftrieb fördert. Ein paar kleine, ungefährliche Quallen bestätigen, dass Leben in der Adria möglich ist. Am Wettkampfmorgen war das Wasser gerade so warm, dass mit Neopren geschwommen werden durfte, und dazu spiegelglatt (mit weniger Wellen als der Bostalsee bei Wind). Zum ersten Mal durfte ich einen „Rolling Start“ erleben und ich fand das Ganze sehr entspannt. So entspannt, dass es mir schwer fiel, über das persönliche Wohlfühltempo hinauszugehen. Bei der Auftaktdisziplin im oberen Rekombereich zu bleiben, ist aber nicht die schlechteste Taktik, wenn man noch über 4 h vor sich hat. Die 33 min reichten immerhin, um als Gesamt-139. und 6. der AK 50 in die Wechselzone zu kommen.

Taktik war das Stichwort für das Radfahren. Nach einem nicht überhasteten, aber doch zügigen Durchqueren der perfekt organisierten und sehr übersichtlichen Wechselzone ging es erstmal darum, beim Einrollen entlang der malerischen Küste (teilweise in Italien) die Beine auf Betriebstemperatur zu bekommen und ohne viel Zeit zu verlieren dort hinzukommen, wo ich meine Stärken ausspielen konnte.

Zwei längere Anstiege galt es nicht mit Brachialgewalt, sondern mit Hirn zu bezwingen. Hier konnte ich einige Konkurrenten überholen, ohne ans Laktat-Limit zu gehen. An mein persönliches fahrtechnisches Limit gekommen bin ich leider auf den schnellen Abfahrten, die ich wohl mit zu viel Hirn (bzw. Schiss) gefahren bin, denn sonst hätten mich nicht einige Mutige überholt, die weniger bzw. später bremsen. (Ein Downhill-Trainingslager mit Peter Sagan wäre eine Überlegung wert.) So wurde die angepeilte Zeit trotz guter Bedingungen und Straßenverhältnisse nicht ganz erreicht, aber doch über 30 Plätze gutgemacht. Die Radstrecke ist zumindest von den Höhenmetern her vergleichbar mit der 70.3 WM-Strecke in Nizza, wo Jan Frodeno abgesagt hat, weil es ihm zu bergig war.

Die auf den Abfahrten gesparten Körner halfen mir, auf den letzten fast flachen Radkilometern das Tempo hochzuhalten, mit Schwung durch die zweite Wechselzone zu flitzen und mit einem kleinen Trinkfläschchen in der Hand und dem nötigen Biss den Laufpart anzugehen. Hier gab es dank der treusorgenden Tracking-Truppe (Gabriella, die mit dem Stadtplan vor Ort den Überblick behielt, und Yvette, die ich endlich wiedersehen durfte) die ersten Informationen über meine Platzierung. Hier lag ich bereits auf Rang 5. Ein AK-Mitstreiter war rasch überholt, so dass ich schon auf 4 rangierte und von einem Slot für die WM-träumen durfte. Erstmal waren aber noch über 20 km zu laufen. Zum Glück traf ich auf einen weiteren Athleten, der ein gutes Tempo vorlegte und mit dem ich für einige Kilometer zusammenarbeiten konnte. (Danke Nr.77 !). Gemeinsam überholten wir noch einige Konkurrent(inn)en. Nach jeder Verpflegungsstelle und bei leichten Bergab-Passagen konnte ich mich immer etwas absetzen (Irgendwas muss man ja auch mal gut können.), aber abschütteln ließ er sich nicht. Bei km 16 rief mir Pit zu, dass mein aktuelles Lauftempo höher sei als das des AK-Führenden. Diese Information gab mir viel Motivation und half mir, trotz langsam aufkommender Ermüdung nicht locker zu lassen.

Der letzte Kilometer war recht lang, nicht mental, sondern real. Von Km 21 bis zum Ziel vergingen mehr als 3 min, so dass man eher von 21,7 km ausgehen kann und einem Schnitt von 4:15 min/km. So kam ich dann als Vierter in der M50 ins Ziel, wo Yvette mich erwartete, wurde aber schon nach kurzer Zeit von einem später Gestarteten auf Rang 5 verdrängt. Das Spekulieren um einen Quali-Platz für die WM begann.

Erstmal T-Shirt abholen und was essen beim leckeren Finisher-Buffet, dann in die Ferienwohnung zum Baden und zur unbeschreiblich wohltuenden Vierhandmassage, bei der Yvette und Gabriella alles gaben. Alles gegeben hat derweil auch Pit, allerdings beim Nickerchen. Drei Tage lang stellte er seine Dienste als Einheizer, technischer Berater, Mentaltrainer und natürlich Fahrer zur Verfügung und war fast rund um die Uhr auf den Beinen bzw. am Steuer. Als hochrangiges Mitglied der europäischen Chauffeurs-Gewerkschaft musste er sich aber an die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten halten.

Anschließend ging es wieder nach Koper zur Siegerehrung und Slot-Vergabe. Nach etwa 30 Minuten, in denen allen gedankt wurde, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben, wurden die ersten drei jeder AK geehrt. Die Medaillen verteilte keine geringere als Tina Maze (s.o.), die auch nach ihrer Karriere beim Après-Ski noch eine Top-Figur machen würde. Das hätte mir mal jemand früher sagen müssen; die eine Minute, die bis aufs Treppchen fehlte, wäre vielleicht doch irgendwie drin gewesen. Überraschenderweise wurde bei der M50 der laut Tracking-App als erster eingelaufene Franzose nicht aufs Podium gerufen. Es stellte sich heraus, dass er disqualifiziert wurde (vielleicht wegen Geschwindigkeitsübertretung auf der Abfahrt). Damit rutschte ich einen Platz nach vorn auf Rang 4. Um einen der 3 WM-Slots zu bekommen, musste also nur noch einer auf sein Startrecht verzichten, so dass ich nachrücken konnte. Oder einfach nicht erscheinen, wie es der Italiener machte, der nach der vorgenannten Disqualifikation zum AK-Sieger wurde. Das Glück ist bekanntlich mit den Tüchtigen, und so wurde die abschließende Slotvergabe für mich nach dem Rennen selbst, das ich dank konsequenter Vorbereitung mit viel Stabitraining, Yoga und Physiotherapie (Danke Yvette!) fast 5 h lang genießen konnte, zum zweiten Highlight des Tages. Der Ablauf ist einfach: Man muss gefinished haben, anwesend sein, wenn man gefragt wird, ja sagen (wie beim Heiraten) und die Kreditkarte zücken (wie beim Scheiden lassen). Schon ist die Anmeldung für die IM 70.3-WM perfekt. Die Tragweite dieser Entscheidung begreift man erst, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Ganze in Neuseeland stattfinden wird und man dafür um die halbe Welt fliegen und 12 h Jetlag in Kauf nehmen muss. Eine besondere Herausforderung wird es sein, die Form bis Ende November auf hohem Level zu halten. Ungefähr dann, wenn die meisten Triathleten ihre Saisonpause hinter sich haben. Der einzige Vorteil ist, dass noch über ein Jahr Zeit bleibt, um Sponsoren zu suchen.

Karsten Ulrich

Ergebnisliste: Ironman-70-3-Slovenia-Istria-2019.pdf

14.10.19 23:46
 
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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Manni (15.10.19 06:54)
Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Wettkampf und vor allem zu der professionellen 6-Hände-Betreuung. Bei der Lektüre Deines wie immer sehr lehrreichen Berichts fühlte man sich mal wieder mittendrin statt nur dabei.



Tina Maze (15.10.19 13:41)
Schade, dass Karsten nicht auf dem Podium war. Ich hätte ihn gerne persönlich kennengelernt. Alle weiblichen Streckenposten waren begeistert von seinem Charme und seiner Anmut.

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